Daten und Fakten

Kinderbewegungs-Pyramide

In Österreich ist jedes fünfte Kind übergewichtig und jedes zehnte Kind ist als adipös zu bezeichnen. Dabei ist nicht die erhöhte Energiezufuhr allein dafür verantwortlich, sondern ein Zuwenig an Bewegung - wie die Deutsche Sporthochschule in Köln in ihrer Untersuchung in Grundschulen im Rahmen des CHILT 1 (Children's Health Interventional Trial) Projektes 2001 herausfand.
Denn: Selbstständige Kinderwege, die früher zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad zurückgelegt wurden, werden immer häufiger durch unselbstständige Autowege ersetzt.
Dies verstärkt die Tendenz zu körperlicher Trägheit und verschlechtert die Gesundheitsprobleme wie Kreislaufschwäche und Übergewicht.

Die Sporthochschule Köln entwickelte daher die Kinderbewegungspyramide in Anlehnung an die Kinder-Ernährungspyramide mit dem Ziel, durch eine kind- und familiengerechte Gestaltung Kinder zu aktivieren bzw. zu mehr Bewegung zu motivieren.
Die Basis dieser Kinderbewegungspyramide bildet die Alltagsbewegung zu Fuß oder mit dem Fahrrad (Schule, Freizeit, Einkaufen, etc.) sportliche Aktivitäten im Verein, die ein- bis zweimal die Woche ausgeführt werden, können die Alltagsbewegung nicht ersetzen und bilden deshalb lediglich die Spitze der Pyramide.

Das Auto dominiert unseren Alltag


In Österreich wird jeder zweite Weg mit dem Auto zurückgelegt und jeder dritte Weg mit aktiven Mobilitätsarten (Zufußgehen, Radfahren). Betrachtet man die aufgewendeten Mittel für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für die unterschiedlichen Verkehrsarten, so zeigt sich, dass 9 von 10 Euro für den Autoverkehrsbereich ausgegeben werden und nur einer von 100 Euro für die aktiven Mobilitätsarten. Das erklärt auch die starke Dominanz des Pkw in der Medienwelt.
Analysiert man die Verkehrsmittelwahl im Kinderzimmer, dann kommt auch die starke Dominanz von Autospielzeugen zum Vorschein (zwei Drittel aller Mobilitätsspielzeuge), wobei in Bubenzimmern das Autospielzeug stärker vertreten ist als in Mädchenzimmer.
Das heißt, sowohl Werbung als auch Verkehrssozialisierung führen uns derzeit in eine Auto fokussierte Verkehrskultur.


Soziale Kontakte in sanft mobilen Wohnumgebungen


Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob Kinder in einer verkehrsreichen oder verkehrsarmen Wohnumgebung aufwachsen. Die Möglichkeit, im Wohnungsumfeld zu spielen, begünstigt die Entwicklung der Kinder nicht nur was ihre körperlichen Fähigkeiten, sondern auch was ihre kognitive Leistungsfähigkeit und vor allem ihre sozialen Kompetenzen betrifft.
Kinder, die in einer verkehrsberuhigten Umgebung aufwachsen, haben viermal mehr Freunde als Kinder in verkehrsreicher Umgebung.
Auch die Eltern haben signifikant mehr Sozialkontakte.


Wie Kinder am liebsten mobil sind!
Wunsch und Realität zum Radfahren

Faktum ist, dass Kinder gerne Rad fahren wollen, es jedoch nicht dürfen, wie eine Online-Erhebung unter Grazer VolksschülerInnen zeigt (www.schoolway.net). Für 33% der Kinder ist das Fahrrad das liebste Verkehrsmittel, mit dem sie gerne zur Schule fahren würden. Tatsächlich aber benutzen nur 11% der Kinder das Fahrrad auf dem Weg zur Schule. Würden also die Wünsche der Kinder berücksichtigt, wären sie dreimal so viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ginge es nach den Kindern, hätte der Radverkehr eine viel stärkere Bedeutung. Das Verkehrsverhalten der Erwachsenen schränkt jedoch die Möglichkeiten der Kinder zum aktiven Unterwegssein ein.
Eltern haben daher die Sorge, dass es im Straßenverkehr zu gefährlich für ihre Rad fahrenden Kinder ist. Gleichzeitig sind die meisten selbst ein wesentlicher Teil dieser Gefahr.
Verbesserte Radverbindungen, Verkehrsberuhigungen im Schulumfeld und die Bildung von Radfahrgemeinschaften helfen die Situation zu verbessern.


Das Verkehrsschlangenspiel als Begleiter für alle Schulstufen der Volksschule


Das Verkehrsschlangenspiel bietet sich ganz besonders für Volksschulen an. Diese Aktion, an der sich die gesamte Schule beteiligen kann, fördert die eigenständige Alltagsmobilität der Kinder und trägt durch die Reduktion des Autoverkehrs im Schulumfeld zu einem sicheren, attraktiven und gesünderen Schulweg bei.
Jede Schulklasse setzt sich ein eigenes realistisches Ziel, wie viele Autowege innerhalb einer Aktionswoche eingespart werden sollen. Eine Woche lang kommen die SchülerInnen dann vorwiegend zu Fuß, mit dem Fahrrad und/oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule.
Das Spiel eignet sich bestens als „Träger“ für weiterführende Maßnahmen und Aktionen zum umweltfreundlichen Mobilitätsverhalten.
Es kann unabhängig von der jeweiligen Schulstufe unter ein besonderes Motto gestellt und durchgeführt werden: Für die ersten und zweiten Klassen können beispielsweise Aktionen zur Attraktivierung des Zufußgehens gesetzt werden (Gehgemeinschaften, Walking Busses). Für die 3. und 4. Klassen bietet sich die Behandlung des Themas „Öffentlicher Verkehr“ - mit Übungen zum Fahrplanlesen, Ausflugsplanung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sicheres Ein- und Aussteigen usw. - an. Das Thema „Radfahren“ kann als Vorbereitung auf die Radfahrprüfung speziell in der vierten Klasse behandelt werden.


Auswirkungen des Verkehrsschlangenspiels
auf das Mobilitätsverhalten der Kinder


Als ein unmittelbares positives Ergebnis des Verkehrsschlangenspiels ergeben sich die Reduktion des Autoverkehrs in der Schulumgebung sowie eine Diskussion in der Schule und zu Hause über Verkehrssicherheit, Mobilitäts- und Gesundheitsverhalten.
Eine Untersuchung im Rahmen des EU-Projekts CONNECT ergab, dass der Anteil der Kinder, die mit dem Auto zur Schule gebracht werden, durch das Verkehrsschlangenspiel halbiert werden konnte. Manche Schulen konnten sogar ihren "hausgemachten" Elternverkehr zur Gänze auf umweltfreundliche Mobilitätsarten verlagern.
Während des Verkehrsschlangenspiels wurden 96% aller Schulwege (vorher 80%) umweltfreundlich zurückgelegt. Der Pkw-Verkehr wurde um 80% verringert, das entspricht einer Veränderung von -16%-Punkten im Modal Split der Schulen. Und mit dieser Einsparung von Autokilometern konnten bei den Schulen ~ 9 Tonnen CO2 eingespart werden.


Auswirkungen des Verkehrsschlangenspiels
auf die Begleitdienste von Eltern


Angeregt durch das Verkehrsschlangenspiel kommen bedeutend mehr Kinder im Umweltverbund und selbstständig (ohne von Eltern begleitet/geführt zu werden) bzw. gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen zur Schule. Der Anteil der eigenständig zurückgelegten Wege hat sich von 8% auf 54% versiebenfacht! Im Gegenzug haben sich die Elternbegleitdienste um 48% verringert (vor dem Spiel wurden 66%, am Ende des Verkehrsschlangenspiels jedoch nur mehr 18% der SchülerInnen von Erwachsenen begleitet).
Während des VSS bildeten sich Geh- und Radfahrgemeinschaften, die auch nach der Aktion beibehalten wurden. Dadurch konnten die Kinder in der Pflege ihrer Sozialkontakte nachhaltig gefördert werden